2015

Vereinschronik
2015

„Die ehemalige Wallfahrtskirche Maria Hilf auf dem Welschenberg“
Buchvorstellung

Am 22.April 2015 konnte der Geschichtsverein des Landkreis Tuttlingen sowie der Heimatverein Mühlheim gemeinsam mit der Stadt Mühlheim im Barocksaal des Vorderen Schlosses das Buch von Historiker Horst-Dieter Freiherr von Enzberg über die Geschichte der ehemaligen Wallfahrtskirche Maria Hilf auf dem Welschenberg vorstellen.

Historiker und Autor Horst-Dieter Freiherr von Enzberg über die Geschichte der Wallfahrtskirche Maria Hilf.

1649, ein Jahr nach Ende des 30-jährigen Kriegs, hängte der Pfarrer Georg Walter ein Marienbild an einem Baum am Weg von Mühlheim nach Fridingen auf.
Dieser Bildstock hatte bald ziemlich Zulauf.
Walter errichtete 1652 die erste Kapelle. 1661 wurde die erste Kirche gebaut.

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Für den Heimatverein Mühlheim war die Buchvorstellung Anlass zur doppelten Freude; zum einen über das Buch selbst und zum anderen darüber, dass 30 Jahre nach de Vereinsgründung mit diesem ein Herzensanliegen des Vereins in Erfüllung gegangen ist.
In der Feierstunde wurde mehrfach erwähnt, dass der Welschenberg-Förderverein, den der damalige Stadtpfarrer Alfons Mai angestoßen hatte, und die Mühlheimer Bürger sich in besonderer Weise um den Welschenberg und Maria Hilf verdient gemacht hätten.
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Kreisarchivar Joachim Schuster, Mühlheims Stadtarchivar Ludwig Henzler und Autor des Buches Horst-Dieter von Enzberg (v.l.n.r.)

Die vierjährige Forschungsarbeit erbrachte neue Erkenntnisse und viele Richtig-Stellungen da Horst-Dieter von Enzberg der erste Historiker sich mit der Geschichte befasste und viele Archivalien u.a. das Enzberg-Archiv ausgewertet hat.
Ende des 18.Jahrhunderts lag das Wallfahrtswesen brach. Der Einfluss der Aufklärung hatte die Herrschaftshäuser erreicht, die nicht wollten, dass das Volk weiter zur Wallfahrtskirche pilgerte.
1806 ging die Herrschaft Enzberg-Mühlheim ans Königreich Württemberg. Die Kirche wurde verhökert und aufgegeben. Der Abbruch der Kalksteine lohnte sich nicht, deshalb ist die Ruine bis heute erhalten.

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In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts ist die Ruine aus dem Dornröschenschlaf erwacht. 1852 gab es die erste Prozession auf den Welschenberg. Die heutige Ruine ist zum erheblichen Teil eine Rekonstruktion.
Berichte von Wundern gab es schon in den 1650er-Jahren, die von Ärzten und Pfarrern beglaubigt wurden. 1664 hat der Nachfolger vom Wallfahrtsgründer Georg Walter eine handschriftliche Broschüre mit mehr als 60 Wunderereignissen herausgebracht. 1737 erschien die erste gedruckte Auflistung von 160 solcher Ereignisse, unterteilt nach Gebrechen und Nöten der Betroffenen.
In der zweiten Ausgabe 1787 sind die Wunderauflistungen durch Gebete ersetzt – auf Druck der Obrigkeit, um den Wunderglauben in den Zeiten der Aufklärung einzudämmen.

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Josef Alfons Wirth 1887-1916
Einweihung neues Ausstellungszimmer

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Die beiden Museen von Mühlheim und Fridingen genießen in der breiten Bevölkerung einen guten Ruf, sie arbeiten auch eng zusammen.
Das Museum im Vorderen Schloss hat in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein nach dem von Prof. Casimir Bumiller erarbeiteten Konzept für den einheimischen Künstler Josef Alfons Wirth im Erdgeschoss ein Wirth-Zimmer eingerichtet.
Der neu eingerichtete Raum ist in einer Feierstunde am 15.Juni 2015 von Bürgermeister Jörg Kaltenbach der Öffentlichkeit übergeben worden.
Die Bilder von Josef Alfons Wirth würde nicht nach Fridingen in die dortige Galerie der Donautalmaler passen, deshalb wurde das Zimmer im Museum in Mühlheim eingerichtet.

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Klaus-Peter Fechner würdigte in seinen Ausführungen das Schaffen des Künstlers.
In zwei großen Ausstellungen waren beispielsweise vier Bilder Wirths; in der Kunsthall Kiel und in der Kunsthalle Bielefeld waren seine Werke zusammen mit Bildern seiner Stuttgarter Malerfreunde im vergangenen Jahr zu bestaunen.
Im neu eingerichteten Wirth-Zimmer sind nicht nur seine Bilder zu sehen, sondern auch Arbeiten von seinen Stuttgarter Freunden. In einer Vitrine sind alte Schriftstücke von ihm aufbewahrt.
Bereits vor 30 Jahren hat die Stadt Mühlheim eine große Sammlung aus dem Nachlass des Malerfreundes Gottfried Graf erworben.

Josef Alfons Wirth ist im Jahr 1887 in Mühlheim geboren.
Seine Mutter war nach dm frühen Tod des Vaters für seine Ausbildung verantwortlich und schickte ihn 1901/02 auf die Volksschule und auf die Gewerbliche Fortbildungsschule in Tuttlingen, wo sein großes zeichnerisches Talent entdeckt wurde. In den Jahren 1902 bis 1905 absolvierte Wirth eine Lithographenlehre in Stuttgart. Diesen Beruf übte er nicht aus, sondern ging auf die Stuttgarter Kunstakademie, in die Malklasse von Christian Landenberger. 1910 ging er als freier Maler nach Berlin, kehrte aber bald wieder nach Stuttgart zurück. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er an die Westfront einberufen. Am 3.September 1916 wurde er von einem Kopfschuss getötet und in einem Massengrab bei Beaumont beerdigt.
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Ausflug nach Überlingen

Am Samstag, 11. Juli 2015 starteten wir bei hochsommerlichen Temperaturen um
13 Uhr vor dem Tor zu unserem Ausflug nach Überlingen.

Um 14 Uhr waren wir zu einer Stadtführung in Überlingen angemeldet.

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Anschließend saßen wir gemütlich im Schatten an der Uferpromenade bei Kaffee, Eis, und kühlen Getränken.

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Bereits um 17.00 Uhr wurden wir zu einer weiteren Führung im Goldbacher Stollen erwartet.
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Nach der Bombardierung der Friedrichshafener Industrieunternehmen, die im Zweiten Weltkrieg Rüstungsgüter herstellten (Luftschiffbau Zeppelin, Maybach, Dornier und Zahnradfabrik), sollten diese unterirdisch „bombensicher“ verlagert werden. Für diesen Zweck kamen rund 800 Häftlinge aus dem KZ Dachau. Sie hatten Gänge, also Stollen, aus dem Felsen zu sprengen und das Gestein abzutransportieren. Den Aushub aus dem Berg schütteten sie in den Bodensee; auf ihm wurde später der Überlinger Campingplatz errichtet. Mindestens 180 Häftlinge überlebten Haft und Arbeitsbedingungen nicht.

Die unterirdische Anlage selbst wurde für die Rüstungsproduktion nie genutzt. Zwischen 1983 und 1989 wurde die Stollenanlage vom Bundesvermögensamt grundlegend saniert, insbesondere durch das Einbringen einer dichten Spritzbetonschicht auf allen Oberflächen.
Heute dient der Stollen teilweise als Bootslager und fast nichts erinnert mehr an die Zeit des Baus des Stollens.

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Nach dieser beeindruckenden und geschichtlichen Neuinformationen fuhren wir nach Mühlheim zurück und kehrten noch im der „Krone – Gärtle“ in Mühlheime ein.

„1890 Als der Dampfzug zum ersten Mal in Mühlheim hielt“ 125 Jahre Donautalbahn
Ausstellungseröffnung 28. August 2015

„Seit letztem Montag hört man auf der neuen Bahnlinie das Pfeifen der Lokomotiven und das Rasseln der Personen- und Güterwagen. Es sind dies die Probebelastungszüge mit welchen unter Anwesenheit des Baudirektors von Schlierholz und des Baurats Schmoller die Tragfähigkeit der 11 eisernen großen Donaubrücken untersucht wird. Die Brücken hatten das Gewicht dreier Lokomotiven und mehrerer beladener Güterwagen im Gesamtgewicht von 4000 Zentnern anstandslos ertragen. Von Seiten der Bevölkerung wurde der erste einfahrende Zug mit Böllerschüssen begrüßt.“ So zu lesen im Gränzbote vom 7. November 1890.

Ein klarer Hinweis, dass die Bevölkerung des Oberen Donautals offensichtlich die Bedeutung dieser Eisenbahnstrecke für die Region, deren Bau wir heute durch diese Ausstellung würdigen, erkannt hat. Es war ein langer Weg bis zur Eröffnung der Donautalbahn und interessante 125 Jahre, die wir Ihnen mit unserer Ausstellung näherbringen wollen.
Ihnen allen also ein herzliches Willkommen zur Ausstellungseröffnung: „1890 als der Dampfzug zum ersten Mal in Mühlheim hielt“.

Mit diesen Worten eröffnete Klaus-Peter Fechner die Ausstellung im Vorderen Schloss.

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Auf den Tischen liegt der Originalbauplan von Tuttlingen bis zum Käppele-Tunnel hinter Beuron. Die beigelegten Fotos der Bahngebäude erleichtern die Orientierung.

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Die Neubaustrecke bis Inzigkofen, wo sie auf die Strecke Sigmaringen-Tübingen trifft, ist 37,5 km lang, dabei 14,8 km auf württembergischem Gebiet, 12,1km auf badischem und 10,6 km auf hohenzollernschem. Besondere Schwierigkeiten stellten die Donauverlegungen beim Ludwigstal, in der Mühlheimer Altstadt und bei Beuron dar. Viele Arbeiter kamen aus dem Ausland, Italien, Tirol, Kroatien. Die Fotos vermitteln einen guten Eindruck von der damaligen Arbeitssituation.
Sie werden durch Ausschreibungen und Vergabeprotokolle ergänzt.
Nebenbei erfährt man, dass nach dem Stadtbrand in Mühlheim, dem 8 Häuser zum Opfer fielen, der Brandschutt von den Eisenbahnarbeitern in kürzester Zeit in den Stadtgraben vor dem Tor geschüttet wurde, so dass sehr schnell ein Wiederaufbau erfolgen konnte.

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Die Eisenbahnfreunde waren besonders von den Modellbahnen in den Vitrinen angetan, die einen absoluten Blickfang in unserer Ausstellung bildeten.
Die Modellbahnfreunde Oberes Donautal haben Modelle der Züge zusammengestellt, die im Lauf der Jahre auf unserer Strecke gefahren sind.

Zu einem Bahnhof gehört, bzw. gehörte selbstverständlich auch eine Bahnhofswirtschaft und diese wurden, wie man aus den Anzeigen ersehen kann, in Tuttlingen und Mühlheim rechtzeitig eröffnet.

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Besonders gefreut hat uns die Zusage der beiden Vollblutmusikanten Hansi Keller und Axel Waizenegger, die sehr kurzfristig eingesprungen sind und diese Ausstellungseröffnung so wundervoll musikalisch umrahmt haben.

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Erwähnt werden muss noch Daniel Hermann, der bei den Modellbahnfreunden mitgearbeitet hat und uns die herrlichen Fotos für die Bildschirm-Präsentation zur Verfügung gestellt hat.

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Kinderferienprogramm
31. August 2015

Der Heimatverein beteiligte sich dieses Jahr wieder mit einer Stadt Rallye am Kinderferienprogramm. 14 Kinder kamen trotz hochsommerlichen Temperaturen zum Treffpunkt im Vorderen Schloss.
Nach Einteilung der Gruppen ging es los, um die nicht immer einfachen Fragen die Beate vorbereitet richtig zu beantworten.
Kleine Tipps gab es immer mal wieder von den begleitenden Personen.
Zum Abschluss gab es noch Limo und Muffin`s und nach der Stärkung eine Führung mit Ludwig durchs Museum, wo alle ganz bei der Sache waren.

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„1890 Als der Dampfzug zum ersten Mal
in Mühlheim hielt“
125 Jahre Donautalbahn
Tag des offenen Denkmals 13.09.2015

Zur jährlich wiederkehrenden Tagesveranstaltung des bundesweiten „Tag des offenen Denkmals, lud der Heimatverein sowie die Modelbahnfreunde Oberes Donautal zu Vorträgen zur Geschichte der Eisenbahn in Württemberg unter besonderer Berücksichtigung der Donautalbahn ein.

Daniel Hermann und Klaus-Peter Fechner konnten interessantes den Anwesenden berichten.

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Wie war die Verkehrsanbindung Mühlheims vor dem Eisenbahnbau? Mit einem Wort: Schlecht. Mühlheim selbst war durch kleine meist unbefestigte Straßen nur mit Nendingen bzw. Tuttlingen, mit Mahlstetten, Kolbingen und Bergsteig verbunden. Die größeren Straßen liefen an Mühlheim vorbei von Tuttlingen über Neuhausen weiter nach Meßkirch und vom Bodensee kommend über Bergsteig / Fridingen weiter auf die Alb.
Daher gab es schon 1859 eine Eingabe der Gemeinden Mühlheim und Nendingen an das Oberamt Tuttlingen zum Bau einer Straße durchs Donautal. Kurze Zeit später erfahren wir von den ersten Überlegungen zum Bau einer Donautalbahn.
Bereits 1873 wurde die Bahnlinie Ulm – Sigmaringen fertig gestellt, 5 Jahre später dann Sigmaringen – Tübingen. Erst 1887 einigten sich das Deutsche Reich, Preußen, Württemberg und Baden über die Kosten, so dass im Frühjahr 1888 mit dem Bau begonnen werden konnte.

125 Jahre Donautalbahn
Jubiläumsfahrt und Jubiläumsfest am Bahnhof am 26.09.2015

Der Landschaftspark Junge Donau feierte das Jubiläum am Samstag, 26. September mit einer Dampfzug-Sonderfahrt von Donaueschingen nach Sigmaringen.
Die Eisenbahnfreunde Zollernbahn (EFZ) boten Sonderfahrten mit dem Dampfzug von Donaueschingen nach Sigmaringen an.
In Mühlheim gab es zudem ein Bahnhofsfest das zusammen mit dem Theater Bahnhof und der Stadt Mühlheim gefeiert wurde.

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Das Bahnhofsfest wurde gebührend von 11 Uhr bis 16 Uhr gefeiert. Der Heimatverein übernahm die Bewirtung und im Theater Bahnhof gaben das Künstlerehepaar Cecile und Martin Bachmann-Legrand mit ihrem Theaterstück ihr bestes.

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In Mühlheim wurde der Dampfzug um 12:32 und bei der Rückfahrt um 15:32 erwartet.

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Um 14 Uhr und 15:30 Uhr gab es vom Heimatverein Kurzvorträge über die Historie des Donaubahnbaus.

Um 13 Uhr konnte mit dem Heimatverein unter Führung mit Christoph Heieis entlang dem ursprünglichem Verlauf der Donau gestartet werden.
Der Flusslauf wurde seinerzeit im Zuge der Gleisarbeiten für die Donaubahn verlegt.
Im Bahnhofsgebäude wurden zudem Exponate über die Geschichte der Donautalbahn präsentiert.

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